Mittwoch, 08. Juli 2026
Bericht: „Grundprinzipien der Ökumene"
Vortrag von Dr. Joachim Reger am 12. Mai 2026
„Damit sie alle eins seien" (Joh 17,21)
Grundprinzipien der Ökumene, Schwierigkeiten und Chancen – Vortrag von Dr. Joachim Reger am 12. Mai 2026 im ÖGZ Pilgerpfad
Im Rahmen des Feier-Jahres zum 50-jährigen Bestehen des Ökumenischen Gemeindezentrums Pilgerpfad luden die Pfarrei Heilige Dreifaltigkeit und das Presbyterium des Pilgerpfads am 12. Mai 2026 zu einem Vortrag von Dr. Joachim Reger ein.
Ca. 30 Gäste waren in den großen Saal des ÖGZ gekommen, um zuzuhören, zu diskutieren und eigene Erfahrungen mit dem Thema Ökumene zu teilen. Nach einer kurzen Begrüßung durch die Gemeindereferentin Annette Kabanow begann Dr. Joachim Reger seinen Vortrag mit einem Überblick und generellen Überlegung zum Thema interreligiöser Dialog und interkonfessionelle Perspektiven. Seine Einschätzung, dass Deutschland hinsichtlich seiner konfessiionellen und religiösen Struktur auf dramatische Veränderungen zusteuert, wurden durch demografische Informationen unterstützt. Während sich aktuell noch rund 40 Millionen Menschen in Deutschland zu einer christlichen Kirche zählen, werden dies im Jahre 2060 nur noch rund halb so viele sein, jeweils ca. 10 Millionen Katholiken und 10 Millionen Mitglieder in den Kirchen der Reformation.
Dies führt unter anderem dazu, dass die ökumenischen Diskussionen der Vergangenheit, die sich um das Verständnis von Eucharistie, Abendmahl und Amt drehten, und die man unter dem Stichwort der versöhnten Verschiedenheit zusammenfassen konnte, heute stark verlagern. Die Kategorie der Konfession ist aus den Diskussionen weitgehend verschwunden, stattdessen ist der Dialog geprägt von einer Solidarität der Gottsucher. Dies gilt auch für die interreligiöse Dimension von Ökumene. Dass Ökumene über den Kreis der christlichen Konfessionen hinausgeht, zeigt ein Blick auf die Wortherkunft. Das griechische Wort „Oikoumenä“ geht zurück auf den Begriff „oikein“ (wohnen) und meint den ganzen bewohnten Erdkreis. Dies weist hin auf das Bemühen der Christenheit um die Einheit der gesamten Menschheit. Das Zweite Vatikanische Konzil hat in seiner Erklärung über die Haltung der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen formuliert: „Die katholische Kirche verwirft nichts von dem, was in diesen Religionen wahr und heilig ist...“
Dieses Bemühen eröffnet viele Chancen, stößt in heutiger Zeit aber auf systematische wie praktische Schwierigkeiten auf die Dr. Reger ausführlich einging. Auszugsweise seien hier als Schwierigkeiten genannt: Säkularismus und mangelnde religiöse Praxis, Cancel Culture und Polarisierung bis hin zum Fundamentalismu, aber auch eine zunehmende Indifferenz gegenüber dem Glauben. Diese Schwierigkeiten werden verstärkt durch „hausgemachte“ Probleme der Kirchen: Fokussierung auf Strukturen statt auf Inhalte, Personalmangel und die Bewertung von Ökumene als Nebensache sind hier die wesentlichen Aspekte.
Hoffnung machte die Betrachtung der Chancen, die im Vortag ebenfalls ausführlich dargestellt wurden: Weil Gott als Schöpfer dieser Welt selbst in die Welt gekommen ist, um mit den Menschen in Dialog zu treten, sind auch wir aufgefordert den Dialog untereinander und mit der Welt als wesentlichen Teil des Christentums zu kultivieren. Dazu gehört, die Religion als die wichtigste Frage des Menschen ernst zu nehmen und nicht zu verharmlosen. Um über diese Frage sprechen zu können ist eine gründliche Vergewisserung des eigenen Glaubenswissen und der Erwerb einer Sprachfähigkeit notwendig, sowie eine Neugier auf den Austausch mit anderen „Gottsuchern“. In diesem Kontext stellte Dr. Reger zwei eindrucksvolle Beispiele von Menschen vor, die dies in herausragender Weise vorgelebt haben: Edith Stein, die vom Atheismus zum Katholizismus konvertierte und wegen ihrer jüdischen Herkunft von den Nationalsozialisten ermordet wurde. Charles de Foucauld, der als Frankreichs alles hinter sich ließ und als Priester und Eremit bei und mit den Tuareg in Algerien lebte. Dort verzichtete er gänzlich auf eine Evangelisierung der Bevölkerung und konzentrierte sich auf die Erstellung eines Wörterbuchs der Tuaregsprache, einer Grundvoraussetzung für eine mögliche Verständigung und damit ganz im Geiste der Idee mit anderen Gottsuchern ins Gespräch zu kommen.
Nach diesem, etliche „dicke Bretter“ behandelnden Vortrag blieben viele Besucher noch eine Weile bei erfrischenden Getränken zusammen. Es war deutlich spürbar, wie sehr der Vortrag die Menschen zum Austausch angeregt hatte und wie viele in den Ausführungen ihre eigenen Sehnsüchte wiederfanden. Es sind Abende wie diese, die die Gottsucher zusammenführen. Wirken wir darauf hin, dass es in Zukunft noch mehr davon geben wird. (Thomas Fleckenstein)
