Freitag, 17. April 2026

Bericht: „Da polier’ mir doch einer den Kelch…!"

Fotos: Rainer Jacquemin

… wird sich Pfarrer Andreas Rubel insgeheim gedacht haben, als er sich die liturgischen Gefäße seiner Pfarrei vor Augen hielt, da bei vielen mittlerweile der Zahn der Zeit genagt und dabei jede Menge an Patina hinterlassen hatte. Um derartige „Nagespuren“ zu beseitigen, hatte er spontan eine Tube Unipol™ und ein passendes Poliertuch besorgt und wollte sich der Reihe nach an den ein oder anderen Kirchenschatz heranwagen.

Ob es nur Zufall der Begegnung nach der Samstagsmesse in St. Jakobus war, eine göttliche Eingebung oder schlicht die Notwendigkeit am stärksten drängte, wird wahrscheinlich niemals geklärt werden können, aber Pfarrer Rubel übergab neben den Utensilien auch den Auftrag an Rainer Jacquemin, als Pilotprojekt der Pfarrei voranzuschreiten und in St. Georg den liturgischen Gefäßen mit der Politurpaste zu neuem Glanz zu verhelfen.

Gesagt – getan: Nach einem erfolgreichen Test am heimischen Silberbesteck stand dem Auftrag nichts mehr im Wege. Als besonders pflegebedürftiges Objekt wurde zunächst der Georgskelch mit seiner Patene ausgewählt, um die Spuren der Zeit – im wörtlichen Sinne – zu verwischen.

Nach etwa einer Stunde waren Kelch und Patene mit allen Seiten durch die Prozedur gezogen. Ganz zur Überraschung des „Täters“ war das Resultat einigermaßenansehnlich und der Kelch mit seiner Patene wieder vorzeigbar. Ab jetzt kann der Zelebrant in der Eucharistie wieder guten Gewissens Brot und Wein wandeln und in diesen adäquaten Gefäßen der versammelten Gemeinde in der Doxologie präsentieren.

Durch das erneuerte Erscheinungsbild ermutigt und angespornt, mussten sich alsdann auch weitere sakrale Gefäße von St. Georg derselben Tortur unterziehen. Nach zwei Tagen kräftigen Rubbelns an der ein oder anderen Oberfläche strahlte ein großer Teil der vasa sacra (lat.: heilige Gefäße) von St. Georg den Betrachter wieder an. Als Folge dessen werden die Sakristane von Studernheim dem Zelebranten zur Eucharistiefeier nun abwechselnd diverse Kelche und Patenen anbieten können, die selbst durch die dicksten Weihrauchschwaden noch blitzen und blinken.

Wie eingangs beschrieben, war dieses nur der erste Streich… Nach dem Pilotversuch sind nun alle anderen Gemeinden und Sakristane herzlich eingeladen, sich mit Lappen und Politur zu bewaffnen und den Spuren der Zeit – sofern vorhanden – zuleibe zu rücken. Pfarrer Rubel freut sich bereits auf die nächsten „Freiwilligen“, die (sich) an der Patina in ihren Sakristeien reiben und die heimischen Kelche und sonstigen liturgischen Gefäße polieren möchten.