Freitag, 17. April 2026

Bericht: Die Musik ist ihr Lebenselexier ...

Margot Schäfer (Foto: Anne-Kathrin Herzog)

Margot Schäfer portraitiert

Die Musica sacra ist für Margot Schäfer das Lebenselixier, aus dem sie immer wieder Kraft, Freude und innere Zufriedenheit schöpft. Ein halbes Jahrhundert lang hat sie mit viel Herzblut und unermüdlichem Einsatz einen wesentlichen Beitrag zur Gestaltung feierlicher Gottesdienste und unvergesslicher Konzerterlebnisse geleistet. Nicht nur der Kirchenchor von St. Ludwig trägt ihre unverwechselbare Handschrift, auch die Gründung und Leitung des Frauensingkreises und der Kinderkantorei Cantate gehen auf ihre Initiative zurück. Doch allein mit den vielfältigen kirchenmusikalischen Aktivitäten gibt sich die pensionierte Pädagogin beileibe nicht zufrieden, sie bekleidet in der Pfarrei Heilige Dreifaltigkeit auch noch weitere wichtige Ehrenämter.

Doch über allem steht bei Margot Schäfer der Gesang. So ist es auch kein Wunder, dass sie bereits als 15-Jährige in den Kirchenchor eingetreten ist. Das war 1973 und der Dirigent hieß Oswald Frey. Der passionierte Kirchenmusiker sollte ihr Mentor werden. Bei ihm nahm sie ihren ersten Orgelunterricht, um dann in einem späteren Lebensabschnitt am Bischöflichen Kirchenmusikalischen Institut (BKI) in Speyer die C-Prüfung für Orgel und Chorleitung erfolgreich zu absolvieren. Zuverlässig hat sie ab 1976 über einen Zeitraum von 30 Jahren den Dienst als Organistin versehen und in den Gottesdiensten regelmäßig die große Kuhn-Orgel in St. Ludwig zum Klingen gebracht. Im Kirchenchor reifte bei ihr die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Zehn Jahre war sie Vorsitzende, organisierte unter anderem eine Fahrt nach Cottbus und trat als Chorleiterin am 1. Januar 2000 in die Fußstapfen von Oswald Frey. Noch im gleichen Jahr rief sie die Kinderkantorei Cantate ins Leben. Sie studierte mit dem musikalischen Nachwuchs regelmäßig Krippenspiele ein und sorgte mit drei Aufführungen des Musicals „Die Zauberharfe“ im Dathenushaus für einen absoluten Höhepunkt und Motivationsschub bei den jungen Sängerinnen und Sängern. Unvergessen bleibt für sie auch das Konzert anlässlich des 60-jährigen Bestehens des Kirchenchors St. Ludwig, für das sie eine Mozartmesse einstudierte.

In Mannhein geboren und bezeichnenderweise in der Mozartstraße in Frankenthal aufgewachsen, fühlte sich Margot Schäfer von Kindesbeinen an zur Gemeinde St. Ludwig hingezogen. Geprägt von einem religiösen Elternhaus nahm sie am kirchlichen Leben regen Anteil und bedauert bis heute, dass den Mädchen der Zugang zum Messdieneramt damals noch verschlossen war. Ihre ausgeprägte Affinität zur Musik hat ihre Berufswahl indessen nicht unmittelbar beeinflusst. Nach dem Abitur am Karolinen-Gymnasium studierte sie Latein und Mathematik an der Universität Mannheim und war nach dem Referendariat, das sie an das Gymnasium am Kaiserdom in Speyer führte, an verschiedenen Schulen als Vertretungslehrerin eingesetzt, bis sie am Carl-Bosch-Gymnasium in Ludwigshafen schließlich eine Planstelle erhielt.

Zwei familiäre Ereignisse sollen an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben. 1981 heiratete Margot Schäfer „ihren Roland“, einen Lehrerkollegen und Fußball-Schiedsrichter mit internationalem Renommee. Und 1993 kam Sohn Christian zur Welt – Grund für die junge Mutter, sich eine längere berufliche Auszeit zu nehmen, in der freilich die ehrenamtlichen Aktivitäten nicht ruhten. In verschiedenen kirchlichen Gremien brachte sie sich ein: in den 1990er Jahren zunächst im Pfarrgemeinderat von St. Ludwig, dann ab 2015 in der neugebildeten Pfarrei Heilige Dreifaltigkeit, wo sie von Anfang an dem Pfarreirat angehört und als Vorstandsmitglied das Amt der Schriftführerin übernahm. Inzwischen hat sie diese Aufgabe in jüngere Hände gelegt. Mittlerweile führt sie aber im Liturgieausschuss Protokoll. Und eine achtjährige Mitgliedschaft im Gemeindeausschuss von St. Ludwig kann sie ebenfalls vorweisen. Auch als das neue Mitteilungsblatt für die Pfarrei vor zehn Jahren aus der Taufe gehoben wurde, mischte sie kräftig mit. Als Mitglied des „aktuell“-Redaktionsteams sorgt sie mit ihren Beiträgen regelmäßig für interessanten Lesestoff.

Im Jahre 2006 war Margot Schäfer ins Berufsleben zurückgekehrt und unterrichtete fortan bis zu ihrem Ruhestand an der Albertus-Magnus-Schule im südhessischen Viernheim, einem Gymnasium in bischöflicher Trägerschaft. Ihr oberster Chef war damals kein Geringerer als der Mainzer Kardinal Karl Lehmann. Nach wie vor widmete sie sich mit großer Leidenschaft der Musik, nahm Stimmbildungsunterricht bei der Gesangspädagogin Anne-Kathrin Herzog und lud alle Jahre wieder zum Advents- oder Weihnachtsliedersingen ein. Dreimal organisierte die das „Musikalische Kaleidoskop“, bei dem Ensembles und Instrumentalisten der Pfarrei ihr Können unter Beweis stellen durften.

Herausfordernd war für Margot Schäfer die Corona-Zeit. Sie beteiligte sich nicht nur am Empfangsdienst bei den Gottesdiensten, sondern übernahm auch die Klavierbegleitung für Streamingaufnahmen, zu denen Brigitte Schröder den Gesang und Pfarrer Stefan Mühl die Texte beisteuerten. Um in diesen bitteren Wochen und Monaten des Lockdowns den Kontakt zu ihren Chormitgliedern nicht abreißen zu lassen, verschickte sie wöchentlich Mails und Briefe mit meditativen Texten, Psalmen und Links zu Liedern oder Chorsätzen. „Das ist von den Sängerinnen und Sängern dankbar aufgenommen worden“, betont sie und erinnert erleichtert daran, dass später die Proben im Kirchenraum mit einem Fünf-Meter-Abstand wieder aufgenommen werden durften.

Ein Herzensanliegen war und ist der Chorleiterin stets die ökumenische Zusammenarbeit. Die gemeinsame Gestaltung von Gottesdiensten mit dem Chor der  Zwölf-Apostel-Kirche am Pfingstmontag in der Erkenbertruine und an Silvester gehört zur guten Tradition. Auch die Auftritte mit dem Chor von Lutherkirche/St. Paul, den Eva Decker leitete, waren stets eine wertvolle kirchenmusikalische Bereicherung.

Wer die 68-Jährige, die im Frankenthaler Süden zu Hause ist, nach ihren Freizeitbeschäftigungen fragt, wird von der Antwort kaum überrascht sein. An erster Stelle nennt Margot Schäfer den Besuch klassischer Konzerte sowie Opern- und Theatervorstellungen in der Region. Auch bewegt sie sich gerne mit Joggingschuhen oder Wanderstiefeln in Gottes freier Natur. Bei den bevorzugten Urlaubszielen gibt es bei ihr einen ausgewogenen Mix aus Bergen und Meer. Greift sie zu einem Buch, ist es meist ein Krimi oder ein historischer Roman. Und als Hobbygärtnerin kümmert sie sich darum, dass es in ihrem häuslichen Umfeld schön grünt und blüht.