Montag, 01. Juni 2026

Bericht: Der Knastprediger hat adieu gesagt

Manfred Heitz (Foto: Anton May)

Nach über dreizehn Jahren wurde Pastoralreferent Manfred Heitz als Gefängnisseelsorger in der Turnhalle der Justizvollzugsanstalt Frankenthal mit einem Gottesdienst verabschiedet. In Ludwigshafen wartet eine neue Aufgabe auf ihn.

Wer im Internet den Suchbegriff „Knastprediger“ eingibt, landet vor allem bei „YouTube“ mit zahlreichen Beiträgen von Manfred Heitz, in denen er sich selbst als „Der Knastprediger“ bezeichnet und damit eine Verbindung von „Drinnen“ nach "Draußen" und umgekehrt geschaffen hat. Als Seelsorger war ihm wichtig, dass die Menschen, in deren Leben nicht alles glatt gelaufen ist und die auch eine Würde haben, nicht vergessen werden.

Wichtig war Manfred Heitz auch eine enge Zusammenarbeit mit den evangelischen Seelsorgerinnen und Seelsorgern. So war es keine Überraschung, dass beim Verabschiedungsgottesdienst sein evangelischer Kollege Oliver Beckmann fest eingebunden war. Am Gottesdienst nahmen über 80 Inhaftierte, Bedienstete, Gäste, seine Familie und der muslimische Gefängnisseelsorger teil. Mitgestaltet wurde der Gottesdienst vom Gefangenenchor unter der Leitung von Dieter Pannier, der auch am E-Piano begleitete.

Das Eingangslied „Auf zu neuen Horizonten, vor uns liegt ein neues Land…“ symbolisierte gleich, worum es in diesem Gottesdienst ging. Nach dem Kyrie und dem Tagesgebet trug der Nachfolger von Manfred Heitz, Diakon Johannes Müller, das Evangelium von der Aussendung der Jünger vor. In seiner Predigt ging Manfred Heitz auf die Herausforderungen ein, die dieses Amt mit sich brachten und wie er damit umging. Als er anfing, spürte er “Gott ist schon da“. Rückblickend kann er sagen: „Ich wurde gesendet, ich wurde getragen“ und „Niemand geht allein“. Nach den Fürbitten, dem „Vater Unser“ und dem Friedensgruß wurde das Friedenslied „So ist Versöhnung“ gesungen. Anstelle der Meditation wurde Manfred Heitz von Pfarrer Oliver Beckmann mit dem gemeinsamen Lied „Heute hier, morgen dort“ überrascht. Mit dem Segen und dem Schlusslied „Möge die Straße“ endete der Gottesdienst.

Im Anschluss an den Gottesdienst gab es noch Grußworte. Anstaltsleiterin Gundi Bäßler betonte, wie wichtig die Seelsorge in den Gefängnissen sei, und dass es gut sei, dass diese Aufgabe in den Händen der Kirchen liege. Marianne Steffen, Leiterin der Abteilung besondere Seelsorgebereiche im Bistum Speyer, dankte besonders für die Weihnachtsgeschenkaktionen und die Öffentlichkeitsarbeit. Sie überreichte einen großen Schlüssel und sagte: „Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr mitgefangen“. Andreas Bär, Vorsitzender der Bundeskonferenz katholischer Gefängnisseelsorge, zitierte aus dem Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse: „Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, mag lähmender Gewöhnung sich entraffen“ und überreichte Manfred Heitz die Leonardis-Medaille. Pfarrer Oliver Beckmann, evangelischer Gefängnisseelsorger, sorgte mit heiteren Anmerkungen für teilweise lautes Gelächter. Auch ein Inhaftierter, der Mitglied des Chores ist, widmete Manfred Heitz bewegende Dankesworte.

Während anschließend die Inhaftierten, ausgestattet mit einem Stück Kuchen, in ihre Zellen zurückkehren mussten, waren die Gäste im Sozialraum der JVA zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Dort gab es weitere Grußworte, darunter auch von Gemeindereferentin Annette Kabanow als Vertreterin der Pfarrei Heilige Dreifaltigkeit. Sie bedankte sich im Namen der ganzen Pfarrei und des Pastoralteams. Wörtlich sagte sie unter Anderem: „Mit viel Engagement hast du dich für die Gefangenen eingesetzt. Besonders viel Herzblut hast du in die Weihnachtsaktionen für die Inhaftierten hineingegeben, die du Jahr für Jahr organisiert und mitgetragen hast.

Damit schenktest du den Inhaftierten und ihren Angehörigen Licht und Nähe in einer oft schweren Zeit“ und „Die Verbindung zur Pfarrei lag dir stets am Herzen. Durch das Auslegen des aktuell in der Kapelle und den Austausch mit  der Gemeinde hast du Brücken gebaut – zwischen drinnen und draußen, zwischen Hoffen und Glauben. Und du hast auch im aktuell, dem Pfarrbrief der Pfarrei, immer wieder einen Beitrag beigesteuert oder das geistliche Wort geschrieben. Damit hast du uns auch Denkanstöße gegeben – ehrlich, tiefgründig und immer mit einem Blick auf das Wesentliche: die Würde jedes Menschen“. „Möge dich auch künftig dieselbe Freude tragen, mit der du hier gewirkt hast“.

Am 02. März 2026 hat Manfred Heitz seine neue Stelle als Quartiersseelsorger in Ludwigshafen angetreten.

Bitte lesen sie auch die Beiträge „Ein herzliches Dankeschön…“ und „Abschied und Neuanfang“.


Ein herzliches Dankeschön ...

Ihre Spenden haben es möglich gemacht, dass wir Gefängnisseelsorger in der JVA Frankenthal zum ersten Mal allen Inhaftierten ein Weihnachtsgeschenk machen konnten. Für knapp 5.000 € haben wir Lebensmittel eingekauft und mit Unterstützung einiger Bediensteter der JVA knapp 500 Geschenktüten gepackt. Die Gefängniskapelle haben wir als Zwischenlager genutzt und es war ein sehr exotisches Bild, als der ganze Raum gefüllt war mit den Weihnachtsgeschenken. Am 18. und 19. Dezember haben wir die Tüten dann persönlich allen Gefangenen überreicht. Dabei konnten wir in viele überraschte Gesichter schauen und es haben sich einige schöne Gespräche mit Inhaftierten entwickelt – auch mit einigen, zu denen wir wenig oder gar keinen Kontakt hatten. In den folgenden Wochen haben sich sehr viele bei uns bedankt – einige persönlich, andere auch schriftlich. Diesen Dank geben wir gerne an Sie weiter.

Abschied und Neuanfang

Liebe Gemeindemitglieder,

nach 13,5 Jahren verlasse ich die Gefängnisseelsorge in der JVA Frankenthal, um ich neuen Aufgaben zu widmen. Ich tue dies mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Der Abschied fällt mir nicht leicht, weil ich immer noch sehr gerne an dieser besonderen Seelsorgestelle arbeite und die Menschen sicherlich vermissen werde, die hier leben (müssen) und die hier arbeiten. Viele intensive Seelsorgegespräche, sehr dichte Gespräche mit Inhaftierten, Bediensteten und Angehörigen sowie in den Gesprächskreisen und „geistvolle“ Gottesdienste mit Gefangenen lasse ich nun hinter mir und nehme die Erinnerungen daran mit. Mir wurde es sehr oft geschenkt, dass meine seelsorgliche Begleitung als segensreich erlebt wurde. Dafür bin ich sehr dankbar.

In diesen Jahren hatte ich immer wieder Kontakt mit Ihnen in der Pfarrei, zu der die JVA gehört. Sie haben soziale Projekte unterstützt, ich durfte mit Ihnen Gottesdienste feiern und über meine Erfahrungen erzählen und immer wieder haben mich einzelne Gemeindemitglieder kontaktiert, weil sie noch mehr wissen wollten oder besondere Anliegen hatten. Nun gehe ich ab dem 01. März 2026 neue Wege und trete eine sogenannte „Pionierstelle“ in Ludwigshafen für Quartier- und Cityseelsorge an. Hier darf ich ausprobieren, wie wir als Kirche mit Menschen in Kontakt kommen, die wir mit unseren „klassischen“ Angeboten wenig oder gar nicht erreichen. Ich bin schon sehr neugierig, was auf mich zukommt.

Sehr dankbar bin ich, dass meine Nachfolge hier in der JVA geregelt ist und es nahtlos weitergeht. Diakon Johannes Müller wird ab 01. März 2026 neuer kath. Gefängnisseelsorger sein. Ihm wünsche ich für diese besondere und wertvolle Arbeit alles Gute.

Ihnen allen Gottes Segen
Manfred Heitz