Donnerstag, 12. März 2026

Glockenausstellung im Erkenbert-Museum

© CapArt Design

Ausstellung läuft noch bis zum 12. April 2026

In Erinnerung der alten Handwerkskunst des Glockenguss’ in Frankenthal kam das Team des Erkenbert-Museums unter der Leitung von Frau Dr. Weigel auf die Idee einer Sonderausstellung zu diesem Thema. Das ausschlaggebende Moment war der Guss der „Kaiserglocke“ durch die Gießerei Andreas Hamm, der sich im Jahr 2025 zum 150. Mal jährte. Zu diesem Zweck hatte Frau Dr. Weigel mit der Pfarrei Heilige Dreifaltigkeit Frankenthal Kontakt aufgenommen und sich über Hamm-Glocken in unseren Kirchen, die diversen Läutemuster zu den verschiedenen Anlässen und damit einhergehend um die praktizierten Alternativlösungen erkundigt, wenn die Glocken während des Triduums (vom Abendmahlsgottesdienst an Gründonnerstag bis zur Auferstehungsfeier in der Osternacht) nach Rom fliegen und in unseren Kirchen daher verstummen. Um diese Details zu erörtern, vermittelte das Pfarrbüro Frau Dr. Weigel an die Gemeinde St. Georg, da hier zu allen drei Aspekten erschöpfend Auskunft gegeben werden konnte. Insbesondere die Kläpperei hatte es Frau Dr. Weigel angetan, denn der Brauch, an Karfreitag und Karsamstag kläppernd durch die Gassen zu ziehen, scheint vielerorts eingeschlafen zu sein – nicht so jedoch in Studernheim! Daher erbat sich die Leiterin des Erkenberg-Museums kurzerhand einige Kläpper von St. Georg als Exponate für die Ausstellung. Neben diesen hölzernen Krachmachern ist auch die Läuteordnung von St. Georg mit allen handschriftlichen Ergänzungen, Anmerkungen und Anpassungen in der Ausstellung zu finden.

Mit der Kaiserglocke verbinden sich einige Missgeschicke, deren Ursachen in der damals weltweit größten, frei-schwingenden Glocke und damit der fehlenden Erfahrung zu suchen sind: Die Kaiserglocke war kurz nach dem deutsch-französischen Krieg (1870/71) am 30. Oktober 1872 vom Kölner Dombau-Verein in Auftrag gegeben worden, wozu Kaiser Wilhelm I. 22 erbeutete französische Geschützrohre „gespendet“ hatte, aus denen die Gießerei von Andreas Hamm die Glocke gießen sollte. Diese Spende verlieh der Glocke ihren Namen. Sie sollte (Foto: Rainer Jaquemin) auf den Ton C0 gestimmt sein, damit sie vom Glockenstuhl des Kölner Doms mit einem tiefen Ton an den Sieg des Deutschen Reiches erinnern (und gleichzeitig einen hämischen Gruß an das besiegte Frankreich senden) möge, und bekam deswegen auch den Beinamen „Gloriosa“ (die „Ruhmreiche“). Allerdings klappte der Guss nicht bereits beim ersten Versuch, sondern erst nach dem dritten Guss konnte das Monstrum mit seinen 26¼ t Gewicht und knapp 3½ m Durchmesser an den Dombau-Verein aus Köln übergeben und per Schiff in die Rheinmetropole mit der imposanten Kathedrale gebracht werden. Obwohl die Tonlage mit Cis0 nicht ganz in die gewünschte Tiefe hinabreichte, hatte der Dombau-Verein die Glocke akzeptiert.

War es Karma oder göttliche Fügung? In Köln angekommen und aufgehängt, brauchte man gut zwei Dutzend starke Männer, die in den Seilen hingen, um der Glocke nach langem Einschwingen ein Tönchen zu entlocken. Der hämische Gruß blieb also im Wesentlichen aus – sozusagen im Geschützrohr stecken –, so dass die Glocke im Volksmund umgehend den Spitznamen „die Stumme von Köln“ bekam.

Zur Eröffnung der Ausstellung hatte das Museum am 03. Dezember 2025 geladen, und sehr viele Gäste zeigten  vor vollem Haus ihr Interesse. Oberbürgermeister Dr. Meyer begrüßte das Auditorium und spann in seiner Rede den Bogen von der damaligen industriellen Tradition in Frankenthal bis zu den heutigen Errungenschaften und künftigen Entwicklungsplänen. Frau Dr. Weigel führte in einem anschließenden Vortrag sowohl in die gesellschaftliche und religiöse Bedeutung von Glocken als auch in die Technik des Glockenguss’ ein und erläuterte die einzelnen Stationen der Ausstellung. Mit Birgit Müller war obendrein die Glockensachverständige der Diözesen Speyer und Trier sowie der evangelischen Kirchen der Pfalz und des Rheinlands gekommen und konnte beim Rundgang viele Fragen beantworten bzw. Anekdoten erzählen. Daneben ist sogar eine kleine Glocke aufgebaut, an der jeder sein Geschick als (Foto: Larissa Kießling, Miss Strohhut 2025) Glöckner ausprobieren kann – diese Chance ließen sich Martina Baum und Rainer Jacquemin nach den Eröffnungsreden freilich nicht entgehen.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 12. April 2026 und lädt alle Besucher ein, in die klangvolle industrielle Vergangenheit Frankenthals einzutauchen – ein Besuch, der sich immer lohnt.